Fachtag Ethik 2020 in Wien

6. Februar 2020

Die Tagungsleiter Dietmar Weixler und Ralf J. Jox  laden zum 5. Fachtag Ethik am 29. Mai 2020 nach Wien ein! Für dieses erste kleine Jubiläum wurde der Titel „Brave New World?“ gewählt. Inzwischen hat die jährliche Tagung in den deutschsprachigen Ländern eine große Sichtbarkeit erlangt und sich etabliert als Forum des Gedankenaustausches zu aktuellen, ethisch kontroversen und praktisch bedeutsamen Fragen in Medizin und Gesundheitswesen, über alle Ländergrenzen hinweg. Drei Themen stehen heuer im Fokus: 

Palliative Psychiatrie
In der Psychiatrie gibt es eine ganze Reihe von Krankheiten, die nicht nur unheilbar sind und mit refraktären Symptomen verbunden sind, sondern auch die Lebenserwartung verkürzen. In manchen Fällen stellt sich bei solch komplexen, fortgeschrittenen, schwer behandelbaren Krankheitssituationen die Frage nach einem palliativen Ansatz in der Psychiatrie. Dies kann etwa Patienten mit einer fortgeschrittenen Demenz, einer chronischen, therapierefraktären Depression oder Schizophrenie oder auch mit einer schwersten Essstörung betreffen. Zudem gibt es Patienten der somatischen Palliative Care, bei denen psychiatrische Krisen und Symptome im Vordergrund stehen, so dass sich die Frage stellt, wo und wie diese Patienten am besten behandelt werden. Die Palliativpsychiatrie ist ein neu entdecktes Feld, das zahlreiche ethische Fragen aufwirft, die noch wenig bedacht und diskutiert sind.

Kuenstliche Intelligenz in der Medizin
Die explosionsartige Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) und sogenannten Algorithmen des tiefen Lernens macht auch vor der Medizin nicht halt. Jüngst hat eine systematische Studienübersicht gezeigt, dass solche Systeme in der visuellen Diagnostik erfahrenen Medizinern mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen sind. Doch KI kann auch für die Prognosestellung, die Therapieplanung, ja sogar die Behandlung selbst eingesetzt werden. Bereits heute ist es vorstellbar, dass für bestimmte Patienten der gesamte Diagnose- und Behandlungsprozess vollständig computerisiert und automatisiert abläuft. Hier stellt sich nicht nur die Frage nach der künftigen Rolle der Gesundheitsberufe, sondern es stellen sich auch ethische Fragen wie die nach der Verantwortung, der Kontrollierbarkeit, der Missbrauchsgefahr und dem Datenschutz, um nur einige zu nennen. Brauchen wir dringend ethische Kriterien im Umgang mit KI in der Medizin und wie könnten diese aussehen?

Teure Medikamente
Jahrelang wurde die “Personalisierte Medizin“ von der Forschung euphorisch als Quantensprung in der Medizin angekündigt. Nun, da immer mehr Medikamente auf den Markt kommen, die auf spezifische molekulare Strukturen zugeschnitten sind oder in Interaktion mit dem Immunsystem des Patienten entstehen, zeigt sich, dass diese enorm teuer sind. Zugleich bieten sich teilweise bisher ungeahnte Heilungschancen. So vermag etwa das Arzneimittel „Zolgensma“, eine Form der Gentherapie, die tödliche Kleinkinderkrankheit Spinale Muskelatrophie 1 zu heilen, doch zum Preis von über 2 Millionen US Dollar pro Einmalgabe. Es ist absehbar, dass die Zahl der teuren Medikamente (Gentherapeutika, Immuntherapeutika etc.) in den nächsten Jahren stark zunehmen wird. Dabei stellen sich zahlreiche ethische Fragen: von der fairen Preisfestsetzung durch die Pharmaunternehmen über die Frage der Erstattung durch Krankenversicherung bis hin zu Rationierungsentscheidungen und ethischen Entscheidungen auf Ebene der Krankenhäuser.

» Programm

» Info und Anmeldung